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| Die Anschläge vom 7. Juli 2005 in London Text von Paul Schreyer Während im Sommer 2005 im schottischen Glenneagles die G8 ihr jährliches Treffen abhielten, auf dem eigentlich verstärkt über die weltweite Armut gesprochen werden sollte, gingen in der Hauptstadt London Bomben hoch. Augenblicklich beherrschte der Terrorismus wieder die Schlagzeilen. Die vier nahezu parallelen Selbstmordanschläge in drei Londoner U-Bahnen und einem Bus kosteten rund 60 Menschen das Leben. Wie in Madrid 2004 traf es wahllos und ohne erkennbares System einfache Reisende, was die latente Angst in der Bevölkerung auf eine neue Ebene hob. Bald wurde ermittelt, dass die Anschläge von vier britischen Staatsbürgern begangen wurden, Großbritannien somit zum ersten Mal von Selbstmordattentätern heimgesucht worden sei. Die Untersuchungen ergaben auch, dass einer der vier Attentäter im Jahr zuvor im Visier des britischen Geheimdienstes MI5 war. Mohammad Sidique Khan war bei Ermittlungen in Zusammenhang mit geplanten Terroranschlägen verhört worden. (Spiegel) Und ein weiterer Attentäter, Jermaine Lindsay, war bei einer Reise nach Amerika auf Bitten britischer Behörden sogar vom FBI überwacht worden. Obwohl er auf einer Liste gesuchter Terroristen war, konnte er die USA betreten. Bei seiner Rückkehr nach Großbritannien verlor der britische Geheimdienst angeblich seine Spur. (Mirror) Wie der "Mirror" berichtete, war auch noch ein weiterer Terrorverdächtiger auf einer Beobachtungsliste des Auslandsgeheimdienstes MI6, und konnte trotzdem kurz vor den Attacken ungehindert ein- und ausreisen. Diese Vorfälle wurden nie schlüssig erklärt. Teile der Medien begannen nachzufragen: "Waren es wirklich Selbstmordattentäter? Warum kauften sie dann Rückfahrscheine? Warum waren die Bomben dann in Taschen und nicht an ihrem Körper? Die Attentäter wurden von ihren Auftraggebern möglicherweise getäuscht, damit ihre Geheimnisse verborgen blieben. Die Polizei untersucht, ob den vier Männern von den Drahtziehern gesagt worden ist, dass sie nach dem scharfmachen der Zünder genügend Zeit zum flüchten hätten. Doch stattdessen explodierten die Bombe sofort. Die Männer trugen außerdem ihre persönlichen Papiere und Kreditkarten bei sich. Selbstmordattentäter tragen normalerweise keine identifizierenden Dinge bei sich." (Mirror) Nach zwei Wochen wurde einer der Hintermänner verhaftet. Nach einem Bericht der Zeitung "The Times" hatte der 30-jährige Haroon Rashid Aswat wenige Stunden vor den Explosionen mit allen vier Tätern telefoniert haben danach verließ er eilig Großbritannien. Aswat habe während seines zweiwöchigen Aufenthalts in Großbritannien auch alle vier Terroristen persönlich getroffen und außerdem die Ziele in London ausgesucht. Er sei westlichen Geheimdiensten seit mehr als drei Jahren bekannt. (Süddeutsche Zeitung) Auf dem konservativen amerikanischen TV-Sender "Fox News" wurde der Geheimdienstexperte John Loftus zum Hintermann Aswat Ende Juli 2005 interviewt. Er enthüllte, dass Aswats Londoner Terrorgruppe während der Kosovo-Krise gebildet worden war, bei der islamische Fundamentalisten (dieselben Leute, die man später als "Al Qaida" bezeichnen sollte) vom britischen Auslandsgeheimdienst MI6 rekrutiert wurden, um im Kosovo zu kämpfen. Loftus sagte: "Damals, Ende der 90er Jahre, arbeiteten ihre Führer im Kosovo für den britischen Geheimdienst. Ob Sie es glauben oder nicht, die Briten engagierten sogar Leute von Al Qaida um die Muslime in Albanien und dem Kosovo zu unterstützen." Loftus betonte, dass Aswat, der Hintermann der Londoner Anschläge, nur wenige Wochen vorher vom Südafrikanischen Geheimdienst lokalisiert worden sei, man ihn aber habe ausreisen lassen, diesmal nach London: "Er war britischer Geheimagent. Plötzlich verschwindet er nach Südafrika. Wir glauben, er ist tot; wir wissen nicht, dass er da unten ist. Letzten Monat enntdeckt ihn dann der südafrikanische Geheimdienst. Er lebt... die Briten wissen, dass die CIA ihn sucht. Also was geschieht? Er verschwindet direkt nach London. Weder bei der Einreise noch bei der Ausreise wird er verhaftet, obwohl er auf der Terror-Watchlist steht. So etwas geht eigentlich nur, wenn er für den britischen Geheimdienst arbeiten würde. Er war ein gesuchter Mann." Soweit John Loftus, ein ehemaliger US-Bundesanwalt im amerikanischen Fernsehen. (Transskript der Sendung auf FOX News; New York Times) Auch der Bericht des parlamentarischen Geheimdienstaussschuss, der nach einem Jahr veröffentlicht wurde, vermerkte, dass zwei der Attentäter vom Geheimdienst beobachtet worden waren. Nach Einschätzung der britischen Opposition überführte der Bericht die Regierung der Unwahrheit. "Zum Zeitpunkt der Anschläge und unmittelbar danach, hat die Regierung behauptet, dass die Attentäter den Behörden bis dahin unbekannt gewesen seien", sagte ein konservativer Abgeordneter. "Wir wissen nun, dass das nicht wahr war." (Reuters) Schließlich kam heraus, dass der Geheimdienst Tonbandaufnahmen vom Anführer der Attentäter hatte, auf denen er davon sprach, die Bombe zu bauen und dann das Land zu verlassen. Trotz der Aufnahmen ließ der MI5 ihn entkommen. Abschriften der Bänder wurden der parlamentarischen Kommission, die die Anschläge untersuchte nie gezeigt. (Sunday Times) Wie nach den Anschlägen von Madrid 2004 kam die Wahrheit auch jetzt nur tröpfchenweise ans Licht. Und ebenso wie in Madrid schienen auch in London Geheimdienstverbindungen der Attentäter ein roter Faden zu sein. (Sunday Times) |
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