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| Die Anschläge vom 11. September 2001 Text von Paul Schreyer Die Anschläge vom 11. September 2001 in den USA, bei denen vier Passagierflugzeuge entführt und dann zum Absturz gebracht wurden, sind der spektakuläre Ausgangspunkt der heutigen Fixierung auf die terroristische Bedrohung. Der Einsturz des World Trade Centers und das darauf folgende mediale Feuerwerk haben Gefühle der Angst und Unsicherheit in der Bevölkerung potenziert. Als Reaktion auf die Anschläge gab es sehr umfassende Ermittlungen von Polizei, verschiedenen staatlichen Kommissionen und auch Teilen der Presse. Viele wichtige Ergebnisse sind allerdings noch immer nur einer Minderheit bekannt. Im Folgenden ein kurzer Überblick. 1. Geheimdienstliche Überwachung der Attentäter Im August 2005, gut vier Jahre nach den Anschlägen wurde es öffentlich: es gab ein militärisches Sonderprogramm, dass vor dem 11. September die vier führenden Attentäter, unter ihnen Mohammed Atta, in den USA identifiziert hatte. Bereits zwei Monate nach Attas Einreise in die USA waren er und seine Komplizen als Terrorzelle erkannt worden, ohne dass diese Information weitergeleitet wurde. Die New York Times machte den skandalösen Vorgang einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Das Programm mit dem Namen Able Danger hatte einen glaubwürdigen Kronzeugen: Lt. Col. Anthony Shaffer war Verbindungsoffizier des US-Militärgeheimdienstes DIA zum Programm gewesen. Das Able Danger-Team hatte ihm zufolge von 1999 bis 2001 per Geheimdirektive von General Hugh Shelton, damals Vorsitzender der Vereinigten Stabschefs, gearbeitet, um Informationen zu Al-Qaida Netzwerken rund um die Welt zu sammeln. Shaffer gab auch zu Protokoll, dass die brisanten Informationen im Jahr 2003 dem Stab der 9/11-Untersuchungskommission mitgeteilt worden seien. Das war interessant, denn im Abschlussbericht der 9/11 Commission von 2004 wurde Able Danger mit keinem Wort erwähnt. John F. Lehman, ein republikanisches Mitglied der Kommission äußerte entrüstet: Ich glaube, das ist eine große Sache. Wenn Atta vor dem 11. September überwacht wurde, warum wurden wir davon nicht informiert? Das Parlament müsse eine neue Untersuchung aufnehmen. (New York Times) Dies geschah aber nicht. Stattdessen verschwanden die entscheidenden Dokumente zun Fall, wie Kronzeuge Shaffer in einem Interview dem Parlamentsfernsehsender C-Span gegenüber mitteilte. (Newsmax) Das Pentagon bestätigte später die Vernichtung von Dokumenten. Dies sei streng nach Vorschrift aufgrund von Datenschutzrichtlinien erfolgt, da es hier auch um US-Personen oder um Menschen, die sich etwa mit einer Arbeitserlaubnis in der USA aufhalten, gegangen sei. (Telepolis) Die Existenz des Programms wurde zwar offiziell zugegeben, die Überwachung Attas jedoch bestritten. (Pressemitteilung Pentagon) Eine Aussage vor dem Rechtsausschuss des Senats wurde Shaffer vom Verteidigungsministerium untersagt. Ein Pentagon-Sprecher sagte: Wir haben unsere Sicherheitsbedenken zum Ausdruck gebracht und glauben, dass es einfach nicht möglich ist, über Able Danger in einem öffentlichen Forum ausführlich zu sprechen. Einen Grund nannte er nicht. (Telepolis) Soviel zur Operation Able Danger. Doch es gab noch mehr ungeklärtes Geheimdienstwissen. So wurden zwei der wichtigsten Flugzeugentführer, Khalid Al-Mihdhar und Nawaf Al-Hazmi, nicht direkt von Al Qaida rekrutiert. Sie hatten sich, bevor sie ausgesucht wurden, schon von sich aus US-Visa besorgt. (9/11 Commission Report, S. 155) Später überwachte sie die CIA, gab ihr Wissen aber nicht weiter. (Newsweek) Der damalige CIA-Chef Tenet bemerkte zum Fall Mihdhar in der Senats-Untersuchung im Oktober 2002: Wir wußten genug, um das Außenministerium zu informieren, damit ihm die Einreise verweigert werden konnte. Unsere Mitarbeiter blieben auf die Überwachungsoperation konzentriert und taten das nicht. Warum sie das nicht taten, wurde nie schlüssig erklärt. In Amerika lebten die beiden außerdem bei einem FBI-Informanten. Die "New York Times" schrieb dazu im Oktober 2002: Das FBI hatte einen geheimen Informanten, der in Kalifornien Zimmer an zwei der Entführer des 11.9. vermietete, aber die Behörde widersetzt sich einer Anfrage des parlamentarischen Untersuchungsausschusses, den Informanten und seine FBI-Kontaktperson zu befragen, sagten Regierungsbeamte. Ein Sprecher meinte, dass das FBI keine Informationen gehabt habe, dass der Informant etwas von den Anschlagsplänen wusste. Ermittler des Kongresses sagen jedoch, dass die Versuche des FBI, ihre Untersuchung zu blockieren, sie skeptisch gegenüber dessen Angaben zum Informanten machen. Sie berichten auch, dass das Justizministerium das FBI dabei unterstützt, sich gegen die parlamentarische Nachfrage zu sperren. Der Informant, der nicht reden durfte. (Senator Bob Graham, Intelligence Matters", S. 159-166) Drei Jahre später erfuhr man dann, was ihm sein Schweigen versüßte. Im Juni 2005 wurde vom Generalinspekteur des Justizministeriums ein interner Revisionsbericht zu den FBI-Ermittlungen veröffentlicht, in dem sich ein ganzes Kapitel mit dem Informanten beschäftigte. In einer Fußnote auf Seite 252 hieß es da: Ursprünglich wurde der Informant nicht bezahlt. Im Juli 2003 erhielt er 100.000 Dollar und wurde als Informant abgeschaltet. Ein unglaublicher Vorgang, der von der Presse nahezu vollständig ignoriert wurde. Wie außerdem bekannt wurde, überwachte die CIA vor den Anschlägen auch die Reisewege des späteren Selbstmordpiloten Ziad Jarrah. (CNN) Und Mohammed Haydar Zammar, der Rekrutierer von drei der späteren Piloten (Mohammed Atta, Marwan Al-Shehhi, Ziad Jarrah), wurde vom deutschen Geheimdienst observiert; es gab sogar einen Anwerbeversuch. Auch die CIA operierte im Umfeld der Hamburger Terroristen. Der Stellvertreter des Chefs der CIA-Auslandsspionage war zu der Zeit für die Durchführung von Geheimdienstprogrammen in Deutschland zuständig. Nach den Anschlägen wurde Zammar mit Wissen der USA verschleppt; er wird bis heute in Syrien unter Verschluss gehalten. (Spiegel; Stern) 2. Unklare Identitäten Die Identitäten einiger der 19 Flugzeugentführer sind nach wie vor unklar. Es deutet vieles daraufhin, dass einige Terroristen gestohlene Identitäten benutzten. (Los Angeles Times; Guardian) Das FBI veröffentlichte am 14. September, drei Tage nach den Anschlägen, die Liste mit den 19 mutmaßlichen Tätern. Am 20. September besuchte der saudische Außenminister Präsident Bush im Weißen Haus. Man betonte zwar einerseits den Schulterschluß, in der anschließenden Presseerklärung hieß es aber auch: Was die saudischen Namen auf der Liste der Verdächtigen angeht, kommentierte der Außenminister, dass Eile bei der Veröffentlichung der Namen zugegeben worden sei und dass es sich außerdem erwiesen habe, dass fünf der aufgelisteten Personen nichts mit dem, was passiert ist, zu tun hatten. Die deutlichen Worte verhallten jedoch ungehört. Die Liste vom 14. September wurde nicht mehr geändert. 3. Insider-Handel kurz vor dem 11.9. Der Insider-Handel an den Börsen in der Woche vor den Anschlägen ist die vielleicht heißeste Spur zu den Tätern. (San Francisco Chronicle) Er ist nach wie vor unaufgeklärt. Die amerikanische Börsenaufsicht SEC startete damals umgehend eine Untersuchung. Und auch international schlug der vermutete Insider-Handel Wellen. Bei einem Treffen der europäischen Finanzminister in Belgien Ende September 2001 verkündete der damalige Chef der Deutschen Bundesbank Ernst Welteke: Es gibt immer klarere Hinweise, dass es auf den internationalen Finanzmärkten Aktivitäten gegeben hat, die mit dem notwendigen Insider-Wissen ausgeführt worden sein müssen. Nach diesen beunruhigenden Sätzen verschwand das Thema allerdings wieder unter einem Nebelschleier. 2003 berichtete das Magazin "Slate" zum Stand der Ermittlungen: "Zwei Jahre später will weder die Optionsbörse noch die SEC ihre Nachforschungen kommentieren. Keine von beiden hat irgendeine Schlussfolgerung veröffentlicht. 4. Ungeklärtes Versagen der Luftabwehr Die zivile Luftraumüberwachung wurde am Morgen des 11. 9. systematisch verwirrt, die Abfangjäger stiegen entgegen fester militärischer Standards verspätet auf, ohne dass dies bis heute hinreichend geklärt worden ist. Die Aussagen der Militärs zu diesem Themenkomplex vor der 9/11 Commission waren, wie die "Washington Post" im August 2006 berichtete, teilweise falsch. 5. Verwicklung Pakistans Finanzielle Transaktionen zu den Attentätern lassen sich zum damaligen pakistanischen Geheimdienstchef zurückverfolgen, der unmittelbar vor dem 11. 9. zu offiziellen Gesprächen in Washington weilte. (Online Journal; Spiegel) Die Spur wurde nicht weiter verfolgt. Pakistan wurde in der Folge zum engen Partner Präsident Bushs im "War on Terror". In der Summe bieten all diese Erkenntnisse ein beunruhigendes Bild, das Teile der Öffentlichkeit kritisch bleiben lässt. Drei Jahre nach dem 11. September sind beispielsweise schon 50 Prozent der Einwohner New Yorks der Meinung, die Regierung sei über die Anschläge informiert gewesen und habe sie bewusst geschehen lassen. (Zogby Poll) Auch die hier genannten Erkenntnisse lassen diesen Schluß möglich erscheinen. Trotzdem bleibt dieser Gedanke weiterhin ein Tabu in der öffentlichen Debatte. Weitere Links: www.dielegende.info/fakten.html Literatur: The 9/11 Commission Report; Nafeez M. Ahmed, Geheimsache 9/11 |
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